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Red-Eye

Friday 20 June 2014

 

Red-Eye

Stell dir vor es ist 5 Uhr morgens, du hast die Nacht kaum schlafend in einer Kabine über den Wolken verbracht. Du verlässt das Flugzeug, riechst die Luft eines fremden Ortes, blinzelst mit trockenen, roten Augen. Du spürst dich unabgelenkt, dein Atem ist dein alleiniger Begleiter.
Konzentriert bewegst du dich vorwärts, deine Schritte sind klar, in deinem Kopf ist es still. Du gehst parallel zu den Leuten, die ihren alltäglichen Ablauf nicht verlassen haben. Du kannst sie angucken und wahrnehmen, bezugsfrei, wertungsfrei. Manchmal triffst du einen, der auf derselben Route unterwegs ist.

Beinahe möchte man sagen, man ist selten so nüchtern und aufnahmebereit wie in diesen Momenten.

Die Arbeiten der in ‘Red-Eye’ gezeigten Fotografen scheinen in diesem Zustand aufgenommen zu sein oder ihn doch auf irgendeine Weise widerzuspiegeln.

So ‘Consuelo’ von Henrik Malmström, der am Rand von Nacht und Tag durch Buenos Aires läuft, die Stadt und ihren Rhythmus beobachtend. Oder ‘Why don’t you fly away’ von Corinna Sauer, die sich liebevoll einlässt auf das, was noch da ist, wenn die anderen schon nach Haus
gegangen sind. Richard Rocholl hingegen fotografiert für ‘Fairy Tales from the Land Fill’ Landschaften, in denen etwas irritiert. Alte Deponien werden ihre zweite Wirklichkeit nicht los, die geplante Idylle muss unvollständig bleiben. Und es gibt die Arbeit ‘Refugium’ von Christian Tiefensee, in der er Bilder gefunden hat für die Schnittstelle zwischen innerer und äußerer Welt
seiner Kindheit. Sie machen es möglich für einen Moment hinüberzuschlüpfen auf die andere Seite.

All dies zeigt Zwischenwelten, die leise neben unseren helllichten Leben existieren. Ihr Flimmern bleibt grundsätzlich lange im Gedächtnis.





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